PHILOSOPHOBIA – „Philosophobia“ (VÖ: 24.06.2022)

Philosophobia ist eine neue Progressive Metal Band, die sich aus ehemaligen Mitgliedern von Pain Of Salvation, Kamelot, Wastefall und Perzonal War zusammensetzt, sie haben nun ihr selbstbetiteltes Debut-Album veröffentlicht. Im musikalischen Spektrum der vorgenannten Bands bewegt sich auch die Musik von Philosophobia, es ist komplexer und melodiöser Progressive Metal mit einer leichten Tendenz zum Bombast.

Die 8 zumeist längeren Songs zeichnen sich durch Tempo- und Stimmungswechsel mit treibenden Heavy-Parts sowie sanften Tönen aus. Harte Gitarrenriffs und anspruchsvolle Keyboard-Parts wechseln sich ab, der facettenreiche und kraftvolle Gesang verstärkt die verschiedenen Stimmungen der Musik. Produzent und Toningenieur Phil Hillen hat die vielen Elemente gut zu einem ausgewogenen und angenehmen Hörerlebnis zusammengefügt.

Der tolle Opener „Thorn In Your Pride“ zeigt bereits in welche Richtung das Album geht, „I Am“ ist ein dynamischer Song bei dem Damian Wilson (Arena, Ex-Threshold) als Gast-Sänger mit von der Partie ist, „Between The Pines“ ist ein ruhiger und sehr gefühlvoller Song, „Thirteen Years Of Silence“ ist ein packendes Instrumental, bei „Voices Unheard“ sind sogar einige Growls zu hören, die anderen Songs sind auch alle auf hohem Niveau. Man kann der Band mit diesem tollen Album nur Erfolg wünschen und hoffen, dass es nicht bei dieser einen Veröffentlichung bleibt.

MSG / Michael Schenker Group – „Universal“ (VÖ: 27.05.2022)

Der Ausnahme-Gitarrist Michael Schenker hat 16 Monate nach dem sehr gelungenen Vorgänger „Immortal“ mit „Universal“ einen mehr als würdigen Nachfolger abgeliefert. Das Album ist erneut mit diversen Musikern aufgenommen worden, zur aktuellen MSG-Stammbesetzung gehören Ronnie Romero (Vocals), Bodo Schopf (Drums), Barend Courbois (Bass) und Steve Mann (Keyboards, Gitarre). Es sind unter anderem auch Barry Sparks (Bass), Simon Phillips (Drums) und Brian Tichy (Drums) mit von der Partie.

Auf „Universal“ sind 13 hochkarätige Titel zu hören (inkl. 2 Bonus Tracks, 1 Intro), der packende Opener „Emergency“ bietet einen guten Einstieg in das Album und der zweite Song „Under Attack“ steht dem in nichts nach. „A King Has Gone“ ist atemberaubend und wurde dabei Ronnie James Dio gewidmet, es konnten hierfür ehemalige Rainbow-Mitglieder gefunden werden, Bobby Rondinelli (Drums), Bob Daisley (Bass) sowie Tony Carey (Keyboard-Intro „Calling Baal“) sind hier vertreten, Michael Kiske (Helloween) veredelt die Hommage mit seiner grandiosen Stimme. Beim Titelsong „Universal“ singt der erste MSG-Sänger Gary Barden im Duett mit dem aktuellen Sänger Ronnie Romero, gerade dadurch bekommt das Stück einen besonderen Ausdruck. Ralf Scheepers (Primal Fear) singt bei „Wrecking Ball“ und bringt durch seinen an Rob Halford erinnernden Gesang einen Judas Priest Einfluss hinein, „London Calling“ ist eher ruhig gehalten und kein The Clash-Cover, es geht hier vielmehr um die Londoner Musikszene.

Es bereitet jedes Mal eine Freude Michael Schenkers tolle und einzigartige Soli zu hören, sie sind dabei songdienlich implementiert, Ronnie Romeros Vocals sind facettenreich und ausdrucksstark. Michael Schenker hat mit seinem Co-Produzenten Michael Voss wieder ein fulminantes Album abgeliefert, was anderes war allerdings auch nicht zu erwarten!

ZERO HOUR – „Agenda 21“ (VÖ: 13.05.2022)

Die amerikanische Progressive Metal Band Zero Hour hat nach 14 Jahren ein neues Album veröffentlicht, ein neuer Drummer und Bassist gehören nun zum Quartett. Die Texte haben eine sozialkritische Ausrichtung, die Musik liegt grob zwischen Tool und Dream Theater, mit einem leichten Einfluss von Manowar versehen.

Es sind 6 Songs auf dem Album, die alle heavy, vertrackt und anspruchsvoll sind. Sie sind zumeist im gehobenen Mid-Tempo gehalten und mit gelegentlichen Speed-Attacken versehen, sie zeichnen sich durch eine starke Rhythmik und Dynamik aus. Es ist ein gutes Album ohne Ausfälle geworden, allerdings sind die Arrangements ein wenig sperrig. Es mangelt an einprägsamen Choruslinien oder schönen Melodien, die den Hörer zum gelegentlichen Abdriften und Relaxen bringen. Mit diesem sehr direkten Sound werden Zero Hour nur die eingefleischten Progressive Metaller überzeugen können und weiterhin in ihrer kleinen Nische bleiben. Ein anderer Produzent hätte aus diesem guten Album sicherlich ein Meisterwerk schaffen können, indem weitere Facetten und Elemente hinzugefügt worden wären.

Diese tolle Band ist leider etwas unter ihren Möglichkeiten geblieben, trotzdem ist „Agenda 21“ zu empfehlen. Die hervorstechendsten Titel sind der treibende 14-minütige Opener „Democide“, das leicht speedige „Technocracy“ sowie der epische Song „Patient Zero“.

Dieses ist eine Review für die Juni 2022 – Ausgabe des Hardline-Magazins.

GALAXY – Interview zu „Runaway Men“ (2022)

Das niederländische Quartett Galaxy dürfte den meisten Progressive Rock Fans kein Begriff sein, obwohl es bereits 1983 in seiner Anfangsformation gegründet wurde. Das erste vollständige Album wurde 1997 aufgenommen, aber die Platte wurde damals nicht gemixt und veröffentlicht, weil die Band sich kurz nach den Aufnahmen aufgelöst hatte. Nun ist „Runaway Men“ nach 25 Jahren endlich erschienen und es klingt sogar recht modern. Bart Schwertmann (Vocals, Bass), Niels Lingbeek (Gitarren, Vocals) und Nils Offers (Drums) standen für ein Interview zur Verfügung.

Dieses Interview wurde für die Juni – Ausgabe des Hardline-Magazins geführt.

GALAXY – „Runaway Men“ (VÖ: 27.05.2022)

„Runaway Men“ ist das erste Album der niederländischen Progressive Rocker Galaxy, das Außergewöhnliche ist dabei, dass das Album bereits 1997 aufgenommen wurde. Die Band hatte sich nach den Aufnahmen getrennt und deshalb war es damals nicht zu einer Veröffentlichung gekommen, die 4 Musiker waren halt „Runaway Men“. Die alten Aufnahmen wurden kürzlich wiederentdeckt, gemixt und zum Glück endlich veröffentlicht.

Die Songs klingen dabei zeitlos und vom Sound sogar modern, es sind stilistische Anklänge an IQ, Marillion, Threshold und Arena wahrzunehmen. Es sind 8 komplexe und sehr melodiöse Tracks zu hören, die nach einigen Durchläufen Ohrwurm-Charakter entwickeln.

„Answers“ ist zum Beispiel ein sehr gefühlvoller Opener, „Never The Same“ ist ein dynamischer Song mit Tempowechseln, „Talk To Me“ vermittelt wiederum eine schleppende Dramatik. Das Instrumental „Gallery Play“ ist so abwechslungsreich, dass man die sonst sehr guten Vocals von Bart Schwertmann gar nicht vermisst. Das Album mündet im ruhigen Song „Runaway Man“ (Singular!) und gibt dem Hörer Zeit das tolle Album stilvoll zu verarbeiten. Hoffentlich bleibt es nicht bei diesem einzigen Album!

Dieses ist eine Review für die Juni 2022 – Ausgabe des Hardline-Magazins.

EVERGREY – „A Heartless Portrait (The Orphean Testament)“ (VÖ: 20.05.2022)

Die schwedischen Progressive Metaller Evergrey haben die Corona bedingte Tournee-Pause gut genutzt, denn nur 15 Monate nach der Veröffentlichung des Vorgängers „Escape Of The Phoenix“ liegt nun „A Heartless Portrait (The Orphean Testament)“ vor, es ist bereits das 13. Studio-Album seit 1998.

Das Album besticht durch Heavyness, tolle Gitarrensoli, einzigartige Keyboard-Einsätze und insbesondere Tom Englunds sehr ausdrucksvollen und melancholischen Gesang. Die meisten Songs sind im gehobenen Mid-Tempo gehalten, bombastisch arrangiert und ihnen wohnt eine dunkel-düstere Stimmung inne, bei einigen Songs schimmern Industrial-Elemente durch.

Es sind 10 sehr starke Songs auf diesem Opus enthalten, „Save Us“ ist ein prachtvoller Opener, „Midwinter Calls“ strotzt voller Dramatik, „Call Out The Dark“ ist voluminös und mit treibenden Keyboards versehen und „Blindfolded“ verfügt über einen Stakkato-Rhythmus. Das Werk endet mit „Wildfire“ und erinnert damit an Tom Englunds Nebenprojekt Silent Skies, denn der Song ist sehr ruhig, bedächtig und dabei spartanisch arrangiert worden. „A Heartless Portrait (The Orphean Testament)“ ist ein super Album geworden und man kann nur hoffen, dass Evergrey damit erfolgreich sind und dann auch in größeren Hallen touren werden.

ANVIL – Interview zum „Impact Is Imminent“ – Album

Anvil sind seit 40 Jahren im Rockbusiness aktiv, leider ist ihr Erfolg über viele Jahre eher begrenzt gewesen und ihr Weg war beschwerlich. Das alles wurde im Film „Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft“ (2008) eindrucksvoll dokumentiert. Mittlerweile hat sich die Situation deutlich gebessert, denn Anvil haben durch den Film neue Aufmerksamkeit und Sympathien erhalten. Es folgten danach einige tolle Alben und das neue Werk „Impact Is Imminent“ reiht sich nahtlos in diese sehr guten Veröffentlichungen ein. Ein sichtlich gut gelaunter Steve „Lips“ Kudlow (Gitarre, Vocals) stand anlässlich der Album-Veröffentlichung Rede und Antwort.

Dieses Interview wurde für die Juni – Ausgabe des Hardline-Magazins geführt.

ANVIL – „Impact Is Imminent“ (VÖ: 20.05.2022)

Das kanadische Trio Anvil galt lange als Band, die es im Vergleich zu anderen Bands aus den 80er Jahren nicht mit dem kommerziellen Durchbruch geschafft hatte, dieses wurde in dem legendären Anvil-Film (2008) auch sehr anschaulich vermittelt. An ihrer Musik hat es definitiv nicht gelegen, denn die Alben bestechen durch eine urwüchsige Heavyness, tolle Kompositionen und Authentizität.

Das neue Album „Impact Is Imminent“ reiht sich in diese sehr guten Alben ein, die Produzenten Martin Pfeiffer und Jörg Uken haben nun zum vierten Mal hintereinander für Anvil einen zeitgemäßen und transparenten Sound geschaffen, der die Stärken der Band dabei sehr gut zur Geltung kommen lässt. Es sind 14 starke Heavy Rocker auf dem Album, die zumeist einen Speed Metal Einfluss haben.

Die markantesten Songs sind der abwechslungsreiche Opener „Take A Lesson“ (mit Dave Grohl Intro), das speedige „Ghost Shadow“, der vielsagende Titel „Lockdown“ sowie die packenden Tracks „The Rabbit Hole“ und „Shockwave“. Interessant ist auch, dass zwei Instrumentals („Teabag“, „Gomez“) auf dem Album sind, die von ihrer Grundstruktur identisch sind, bei „Gomez“ wurden lediglich Blasinstrumente hinzugefügt. Nach dem Hören des Albums muss der geneigte Zuhörer erst einmal eine Verschnaufpause einlegen, bevor das Album dann in weiterer Rotation läuft!

Dieses ist eine Review für die Juni 2022 – Ausgabe des Hardline-Magazins.