DICE – Interview zum „The Space In Free Isolation“ – Album (2022)

Hier ist das jährliche Interview mit Christian Nóvé (Keyboarder, Bassist, Sänger) der Leipziger Progressive Rock Band Dice aufgeführt. Dieses Mal wurde es nicht per Telefon on Air, sondern per Zoom-Konferenz geführt. Anlass des Interview war die Veröffentlichung des „The Space In Free Isolation“ – Albums. Die Review des Albums ist im vorherigen Eintrag zu finden.

DICE – „The Space In Free Isolation“ (VÖ: 15.07.2022)

Dice Cover, „The Space In Free Isolation“

Dice wurden 1974 von Christian Nóvé (Keyboards, Bass, Vocals) gegründet, ihr erstes Album ist 1979 erschienen und seit Anfang der 1990er Jahre sind sie in Leipzig beheimatet. Dice bringen seit 1997 jedes Jahr ein Album heraus, wobei Christian Nóvé die Musik komponiert, die Texte werden von Dennis Lee Small verfasst. Die Band hat einen sehr individuellen Stil, es ist Progressive Rock mit sehr spacigen Sounds und kosmischen Atmosphären, am ehesten sind Dice mit Pink Floyd oder Hawkwind vergleichbar.

„The Space In Free Isolation“ ist bereits das 28. Album, die ersten 5 Songs auf diesem Werk sind Epics in einer Länge von ca. 10 Minuten. Die Keyboards sind sehr anspruchsvoll, facettenreich und vielschichtig umgesetzt worden. Peter Viertels Gitarrensoli sind sehr melodiös und präzise, sie bilden den markanten Gegenpart zum Keyboard-Sound. Die Stücke sind zumeist im getragenen Tempo arrangiert worden, sie verfügen aber auch über einige rockige Parts.

Das dramatische „For Another Tomorrow“ bietet einen guten Einstieg in das Album, „After The Fire“ und „The Isolation Blues“ sind in einem verhältnismäßig zügigen Tempo gehalten, „Lost In A Million Souls“ hat einen treibenden Rhythmus, „Edge Of Time“ ist rockig-prägnant und das ruhige 6-minütige Instrumental „Isolation Nightmare“ lässt das tolle Album sehr gefühlvoll ausklingen.

PHILOSOPHOBIA – „Philosophobia“ (VÖ: 24.06.2022)

Philosophobia ist eine neue Progressive Metal Band, die sich aus ehemaligen Mitgliedern von Pain Of Salvation, Kamelot, Wastefall und Perzonal War zusammensetzt, sie haben nun ihr selbstbetiteltes Debut-Album veröffentlicht. Im musikalischen Spektrum der vorgenannten Bands bewegt sich auch die Musik von Philosophobia, es ist komplexer und melodiöser Progressive Metal mit einer leichten Tendenz zum Bombast.

Die 8 zumeist längeren Songs zeichnen sich durch Tempo- und Stimmungswechsel mit treibenden Heavy-Parts sowie sanften Tönen aus. Harte Gitarrenriffs und anspruchsvolle Keyboard-Parts wechseln sich ab, der facettenreiche und kraftvolle Gesang verstärkt die verschiedenen Stimmungen der Musik. Produzent und Toningenieur Phil Hillen hat die vielen Elemente gut zu einem ausgewogenen und angenehmen Hörerlebnis zusammengefügt.

Der tolle Opener „Thorn In Your Pride“ zeigt bereits in welche Richtung das Album geht, „I Am“ ist ein dynamischer Song bei dem Damian Wilson (Arena, Ex-Threshold) als Gast-Sänger mit von der Partie ist, „Between The Pines“ ist ein ruhiger und sehr gefühlvoller Song, „Thirteen Years Of Silence“ ist ein packendes Instrumental, bei „Voices Unheard“ sind sogar einige Growls zu hören, die anderen Songs sind auch alle auf hohem Niveau. Man kann der Band mit diesem tollen Album nur Erfolg wünschen und hoffen, dass es nicht bei dieser einen Veröffentlichung bleibt.

MSG / Michael Schenker Group – „Universal“ (VÖ: 27.05.2022)

Der Ausnahme-Gitarrist Michael Schenker hat 16 Monate nach dem sehr gelungenen Vorgänger „Immortal“ mit „Universal“ einen mehr als würdigen Nachfolger abgeliefert. Das Album ist erneut mit diversen Musikern aufgenommen worden, zur aktuellen MSG-Stammbesetzung gehören Ronnie Romero (Vocals), Bodo Schopf (Drums), Barend Courbois (Bass) und Steve Mann (Keyboards, Gitarre). Es sind unter anderem auch Barry Sparks (Bass), Simon Phillips (Drums) und Brian Tichy (Drums) mit von der Partie.

Auf „Universal“ sind 13 hochkarätige Titel zu hören (inkl. 2 Bonus Tracks, 1 Intro), der packende Opener „Emergency“ bietet einen guten Einstieg in das Album und der zweite Song „Under Attack“ steht dem in nichts nach. „A King Has Gone“ ist atemberaubend und wurde dabei Ronnie James Dio gewidmet, es konnten hierfür ehemalige Rainbow-Mitglieder gefunden werden, Bobby Rondinelli (Drums), Bob Daisley (Bass) sowie Tony Carey (Keyboard-Intro „Calling Baal“) sind hier vertreten, Michael Kiske (Helloween) veredelt die Hommage mit seiner grandiosen Stimme. Beim Titelsong „Universal“ singt der erste MSG-Sänger Gary Barden im Duett mit dem aktuellen Sänger Ronnie Romero, gerade dadurch bekommt das Stück einen besonderen Ausdruck. Ralf Scheepers (Primal Fear) singt bei „Wrecking Ball“ und bringt durch seinen an Rob Halford erinnernden Gesang einen Judas Priest Einfluss hinein, „London Calling“ ist eher ruhig gehalten und kein The Clash-Cover, es geht hier vielmehr um die Londoner Musikszene.

Es bereitet jedes Mal eine Freude Michael Schenkers tolle und einzigartige Soli zu hören, sie sind dabei songdienlich implementiert, Ronnie Romeros Vocals sind facettenreich und ausdrucksstark. Michael Schenker hat mit seinem Co-Produzenten Michael Voss wieder ein fulminantes Album abgeliefert, was anderes war allerdings auch nicht zu erwarten!

ZERO HOUR – „Agenda 21“ (VÖ: 13.05.2022)

Die amerikanische Progressive Metal Band Zero Hour hat nach 14 Jahren ein neues Album veröffentlicht, ein neuer Drummer und Bassist gehören nun zum Quartett. Die Texte haben eine sozialkritische Ausrichtung, die Musik liegt grob zwischen Tool und Dream Theater, mit einem leichten Einfluss von Manowar versehen.

Es sind 6 Songs auf dem Album, die alle heavy, vertrackt und anspruchsvoll sind. Sie sind zumeist im gehobenen Mid-Tempo gehalten und mit gelegentlichen Speed-Attacken versehen, sie zeichnen sich durch eine starke Rhythmik und Dynamik aus. Es ist ein gutes Album ohne Ausfälle geworden, allerdings sind die Arrangements ein wenig sperrig. Es mangelt an einprägsamen Choruslinien oder schönen Melodien, die den Hörer zum gelegentlichen Abdriften und Relaxen bringen. Mit diesem sehr direkten Sound werden Zero Hour nur die eingefleischten Progressive Metaller überzeugen können und weiterhin in ihrer kleinen Nische bleiben. Ein anderer Produzent hätte aus diesem guten Album sicherlich ein Meisterwerk schaffen können, indem weitere Facetten und Elemente hinzugefügt worden wären.

Diese tolle Band ist leider etwas unter ihren Möglichkeiten geblieben, trotzdem ist „Agenda 21“ zu empfehlen. Die hervorstechendsten Titel sind der treibende 14-minütige Opener „Democide“, das leicht speedige „Technocracy“ sowie der epische Song „Patient Zero“.

Dieses ist eine Review für die Juni 2022 – Ausgabe des Hardline-Magazins.

GALAXY – Interview zu „Runaway Men“ (2022)

Das niederländische Quartett Galaxy dürfte den meisten Progressive Rock Fans kein Begriff sein, obwohl es bereits 1983 in seiner Anfangsformation gegründet wurde. Das erste vollständige Album wurde 1997 aufgenommen, aber die Platte wurde damals nicht gemixt und veröffentlicht, weil die Band sich kurz nach den Aufnahmen aufgelöst hatte. Nun ist „Runaway Men“ nach 25 Jahren endlich erschienen und es klingt sogar recht modern. Bart Schwertmann (Vocals, Bass), Niels Lingbeek (Gitarren, Vocals) und Nils Offers (Drums) standen für ein Interview zur Verfügung.

Dieses Interview wurde für die Juni – Ausgabe des Hardline-Magazins geführt.