KATATONIA – Interview mit Niklas Sandin (2022)

Schöne Melancholie aus Schweden

Die schwedische Dark Metal-Band Katatonia hat in ihrem über 30-jährigen Bestehen einige Veränderungen im Line-up erlebt und dabei eine große musikalische Veränderung vollzogen. Zu Beginn ihrer Karriere waren Death Metal-Einflüsse vorherrschend und es wurden auch Growls verwendet, sodass Sänger Jonas Renkse damals Stimmprobleme bekommen hat. Mittlerweile ist das Quintett musikalisch gereift und liefert vielschichtige Alben mit tollen Kompositionen ab, die sich durch eine schöne Melancholie auszeichnen. Anlässlich der Veröffentlichung von „Sky Void Of Stars“ am 20.01.2023 hat Bassist Niklas Sandin die Hintergründe des neuen Werkes erläutert. Das Interview wurde bereits am 31.10.2022 geführt.

Ihr veröffentlicht im Januar euer neues Album „Sky Void Of Stars“. Liegt dem Werk ein textliches Konzept zugrunde?

Der Album-Titel „Sky Void Of Stars“ geht auf die Zeit zurück, als man sich durch das Navigieren an den Sternen fortbewegt hat und dann dabei manchmal keine Orientierung mehr hatte. Es soll bedeuten, dass es auch heutzutage schwer ist, sich durch die tiefen und dunklen Momente des Lebens zu manövrieren. Es hat auch einen Bezug zu uns Schweden, denn wir leben viele Monate in einer Dunkelheit, die uns nicht immer leicht fällt. Letztlich ist die Bedeutung aber nicht in Stein gemeißelt, denn jedem Zuhörer wird sein eigener Interpretationsspielraum zugestanden.

Jonas Renkse ist der Songwriter von Katatonia. Wie weit geht der Einfluss von dir und den anderen Bandmitgliedern als Co-Songwriter und bei den Arrangements? Beschreibe doch mal euren Arbeitsprozess.

Jonas schreibt alle Songs, zumeist hat er einen Song ganz oder manchmal auch nur teilweise komponiert und stellt ihn uns dann vor. Wir geben ihm dann Feedback für mögliche Veränderungen, aber in der Regel sind die Songs schon so weit ausgereift, dass sie keine weiteren Veränderungen mehr benötigen. Ich halte mich mit Veränderungswünschen zumeist zurück, denn man braucht ja nichts reparieren, was bereits gut ausgearbeitet und nicht defekt ist. Live variieren wir die Songs aber immer, es klingt dann nicht so wie auf dem Album. Wir diskutieren die Dinge aus und haben dabei unsere Freiräume, es gibt bei uns keine Diktatur.

Katatonia Band
Katatonia – 2022

Ihr habt das Album selbst produziert, die Produktion hat viele Details und ist dabei gut ausbalanciert. Die Songs sind kompakt und das Album hat einen tollen Sound. Wie schwer ist es gewesen, diese schöne und gut abgestimmte Klanglandschaft im Studio zu kreieren?

Man muss bei einer Produktion darauf achten, dass nicht zu viel Butter oder Wein in die Sauce kommt, alles muss in der richtigen Dosierung vorliegen. Wir hatten wieder unseren Toningenieur Lawrence Mackrory im Studio dabei, er achtet auf den Produktionsprozess, er spornt uns dabei zu Höchstleistungen an. Wir haben auch in Dänemark mit Jakob Hansen gearbeitet, in seinem Studio wurden die Drums aufgenommen und er hat dort auch den Mix erstellt. Es ist halt wichtig, die richtigen Leute im Studio dabei zu haben, sie sind letztlich für die Klanglandschaft verantwortlich.

Es sind Keyboards auf dem neuen Album zu hören, aber ihr habt keinen Keyboarder im Line-up. Wie wichtig sind Keyboards für eure Musik generell?

Keyboards sind für uns als Ambient-Sound wichtig, um die verschiedenen Elemente zu verbinden, Jonas arbeitet sie aus. Für die Live-Shows nehmen wir aber nicht die Spuren vom Album, sondern Jonas entwickelt sie spezifisch dafür, sie werden dann in den Shows aus dem Off heraus eingespielt.

Beim Song „Impermanence“ singt Joel Ekelöf von Soen mit. Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit ihm gekommen?

Soen ist eine großartige Band und Joel hat eine tolle Stimme. Wir waren der Meinung, dass sich seine Stimme bei diesem Song gut mit Jonas’ Stimme kombinieren lässt. Jonas hat Joel gefragt, ob er als Gast mitmachen möchte. Es war dann interessant zu sehen, wie Joel seinen Part singt und wie der sich von Jonas’ Gesang unterscheidet. Beide Stimmen haben sich gut vereinbaren lassen und konnten dem Stück eine besondere Note verleihen.

Die Lyrics zu „No Beacon To Illuminate Our Fall“ sind sehr interessant und der Song klingt darüber hinaus etwas doomy. Was steht textlich und musikalisch hinter diesem Song?

Das ist das progressive Stück des Albums, aber es kann sich jeder, wie bereits erwähnt, seine eigene Vorstellung über den Text bilden. Die Fans haben alle ihre Lieblings-Tracks und fragen manchmal nach den Bedeutungen, aber wir geben ihnen keine Interpretation vor.

Woher kommt die schöne Melancholie in eurer Musik?

Es sind tatsächlich die dunklen Monate in Schweden, die auf unsere Musik einen großen Einfluss haben. Es ist aber auch die Härte des Lebens selbst, die einwirkt, wie z. B. einen geliebten Menschen zu verlieren oder in dieser verhärteten Gesellschaft seinen Weg zu finden. All diese Dinge führen zu der besagten Melancholie.

Das Artwork von „Sky Void Of Stars“ ist wieder sehr anspruchsvoll. Inwieweit seid ihr in die Cover-Gestaltung einbezogen?

Wir hatten bisher mit Travis Smith als Cover-Designer gearbeitet und waren der Meinung, dass dort mal ein neuer Einfluss hineingehört. Dieses Mal haben wir Roberto Bordin damit beauftragt, wir hatten bereits T-Shirts und anderes Material von ihm designen lassen. Er hat einen fantastischen Job gemacht und man sieht auch, dass es ein anderer Designer gestaltet hat, das Cover hat eine neue Tiefe bekommen.

In der frühen Phase eurer Karriere war eure Musik wesentlich rauer und härter als heutzutage. Welche Bands und musikalischen Einflüsse haben die Stiländerungen von Katatonia über die Jahrzehnte bewirkt?

Es können viele Bands gewesen sein, Jonas ist ein Fan von The Cure, Nick Drake, 16 Horsepower und anderen Bands, auch aus verschiedenen Genres. Es hat sich halt so im Laufe der Jahre entwickelt und es ist unwahrscheinlich, dass wir erneut ein Album wie „Brave Murder Day“ aufnehmen werden, zu manchen Anlässen spielen wir die alten Sachen aber noch live.

Ihr habt bereits einige Veränderungen im Line-up gehabt. Habt ihr nun die endgültige Formation gefunden?

Das sehe ich so, denn wir spielen bereits einige Jahre zusammen und jeder kann seine musikalischen Talente einbringen, wir sind auch live sehr gut eingespielt.

Ihr seid bisher bei Peaceville unter Vertrag gewesen und seid jetzt zu Napalm Records gewechselt. Was waren die Gründe hierfür?

Es war notwendig, eine Veränderung herbeizuführen, um nach langer Zeit mit neuen Leuten zusammenzuarbeiten. Wir sind bisher auch sehr zufrieden, denn Napalm Records hat ein tolles Team, das hinter uns steht.

Dieses Interview wurde für die aktuelle Ausgabe des Hardline-Magazins geführt. Die Review zum Album findet Ihr im vorherigen Beitrag.

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